Wir lesen Fußball

Unsere Kinder der E2- und der E4-Jugend hatten in den letzten Wochen einen Wettkampf der ganz anderen Art: Es ging ums Lesen.

Wie es dazu kam

Als Kindertrainer trägt man auch eine gesellschaftliche und soziale Verantwortung. Man leistet automatisch einen kleinen Beitrag zur Erziehung der Kinder und ist einer der vielen Wegbegleiter auf dem Weg des Erwachsenwerdens.

Wenn man als Fußballtrainer ein paar Dinge richtig gemacht hat, dann lieben die Kinder nicht nur den Sport an sich, sondern auch die vielen Geschichten drumherum.

Da gibt es zum Beispiel den portugiesischen Jungen aus dem Elendsviertel oder den introvertierten Argentinier, der als zu klein galt, um ein guter Fußballer zu werden. Geschichten halt.

Die besten Geschichten schaffen es in Bücher. Und davon gibt es viele.

Die Lesefähigkeit ist eine der wichtigsten Säulen für eine erfolgreiche Schulausbildung. Hier gilt vor allem: Learning by Doing! Also warum nicht Fußballgeschichten lesen?

Nun war ich selbst auch mal ein 10-jähriger Junge und kann mich noch gut erinnern, welche Motivation ich damals zum Lesen hatte: nämlich keine.

Zugegeben, dass lag vielleicht auch an der DDR-Kinderliteratur der 80-er Jahre. Vielleicht aber auch daran, dass ich wichtigere Dinge zu tun hatte, zum Beispiel vor die Pille zu treten.

Planung

Zurück in die Gegenwart: Mein Trainerteam und ich wollten also die Macht des Fußballs nutzen, um die Lesekompetenz der Kinder zu verbessern.

Doch wie bekommen wir die Kinder dazu, freiwillig Bücher zu lesen?

  1. Wir haben das beste Thema der Welt: Fußball.
  2. Fußballgeschichten gibt es wie Sand am Meer. Jedes Kind hat ein oder mehrere Fußballbücher. Man könnte also eine Tauschbörse organisieren.
  3. Noch mehr Motivation. Punkt 1 und Punkt 2 reichen noch nicht ganz als Motivation. Es muss also noch etwas mehr sein.

Doch auch hierfür hatten wir schnell eine Lösung. In unserer Mannschaft gibt es die sogenannten Kapitänspunkte. Das Prinzip ist denkbar einfach. Jedes Kind ist gerne Kapitän und möchte das Team mit der Binde am Arm aufs Spielfeld führen.

Für gute Leistungen im Training können die Kinder bei uns Kapitänspunkte sammeln. Das Kind mit den meisten Punkten am Monatsende trägt im Folgemonat die Binde.

Wenn wir die Kapitänspunkte also als zusätzliche Motivation beim Lesen einbauen, sollte das als Verstärkung ausreichen.

Umsetzung

Wie organisierten eine Tauschbörse, bei der die Kinder ihre Fußballbücher untereinander tauschten. Die Kinder hatten anschließend einen Monat Zeit, ihr Buch zu lesen.

In Kooperation mit der Leseplattform Antolin und der Karl-Liebknecht-Grundschule in Leipzig mussten die Kinder dann online Fragen zu ihren Büchern beantworten.

Je nachdem, wie viel Prozent der Fragen richtig beantwortet wurden, bekamen die Kids anschließend ihre Punkte.

Resümee

Das Projekt kam sowohl bei den Kindern als auch bei den Eltern sehr gut an, so dass es zu einer Fortsetzung im Folgemonat kam.

Natürlich war die Teilnahme auf freiwilliger Basis. Aber auch in der zweiten Runde machten wieder viele Kinder mit – und wenn es nur darum ging, ein paar Kapitänspunkte zu sammeln.

Danke

Vielen Dank möchte ich hier an die Eltern der Kinder richten, die dieses Projekt dann zu Hause begleitet haben.

Ein weiteres Dankeschön geht an die Antolin-Redaktion der Westermann-Gruppe für die guten Ideen zur Umsetzung unseres Vorhabens.

Besonders bedanken möchten wir uns zudem bei der Karl-Liebknecht-Grundschule in Leipzig, die uns einen Zugang zur Antolin-Plattform ermöglichte und ohne die die Umsetzung nicht möglich gewesen wäre.